Willkommen im Katalog der Kritischen Bibliothek!

„Wir haben nicht die Praxis verlassen, sondern die Praxis hat uns verlassen.“ Das antwortete Leo Löwenthal auf den Vorwurf, die Kritische Theorie habe die Realität aus dem Blick verloren. „Nichts soll sein, was nicht sich anpacken lässt; nicht der Gedanke.“ Dieser Ausspruch von Theodor W. Adorno fasst das Problem einer Gesellschaftskritik zusammen, die lediglich im praktischen Handeln einen Fluchtpunkt aus der immergleichen Misere erkennen mag. Da diese Art der Kritik zumeist fern jeglicher Theoriebildung unternommen wird, läuft man Gefahr bestehende Herrschaftsverhältnisse unwissentlich weiter zu stützen. Anstatt Argumente sind zunehmend standardisierte Floskeln zu vernehmen, die keiner eigenen Prüfung unterzogen werden (können). Ohne Theoriearbeit kann aber eine sinnvolle kritische Einbettung des Erlebten nicht gelingen, was wiederum Widerstand gegen die herrschenden Zustände erschwert bis unmöglich macht. Wer Theorie und Praxis als Gegenpole darstellt, will Theorie denunzieren und schwimmt mehr mit dem Strom, als ihm oder ihr lieb ist.

Wir – die Kritische Bibliothek – sind ein Zusammenschluss einzelner Personen, die beschlossen haben, ihre politischen und kritischen Bücher nicht zu Hause verstauben zu lassen, sondern diese zusammenzutragen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die Sammlung umfasst derzeit rund 2.000 Bücher, die auch ausgeborgt werden können. Die Schwerpunkte liegen auf den Theorietraditionen Marx’scher Analyse und der kritischen Theorie Frankfurter Provenienz sowie den Themenkreisen Kapitalismuskritik, Feminismus und Antifaschismus. Mit der Kritischen Bibliothek in Salzburg bieten wir all jenen die Möglichkeit sich mit Gesellschaftskritik zu beschäftigen, die die Idee der Emanzipation durch Aufklärung nicht aufgegeben haben.

„Herzustellen wäre ein Bewußtsein von Theorie und Praxis, das beide weder so trennt, daß Theorie ohnmächtig würde und Praxis willkürlich. […] Denken ist ein Tun, Theorie eine Gestalt von Praxis“. (Theodor W. Adorno)


Kontakt & Ausleihe

  • Geöffnet jeden Mittwoch 18-19 Uhr
  • Elisabethstraße 11 // A-5020 Salzburg
  • kritische.bibliothek@servus.at
  • Die Ausleihfrist beträgt 1 Monat!

DOPPELveranstaltung - Dezember 2022

MONTAG, 12. DEZEMBER 2022 UM 19 Uhr

Rosa-Hofmann-Saal, Elisabethstraße 11

Buchpräsentation und Diskussion mit Andreas Stahl (Universität Oldenburg): "Probleme des Antirassismus - Postkoloniale Studien, Critical Whiteness und Intersektionalitätsforschung in der Kritik"

Nicht erst seit den Protesten der Black-LivesMatter-Bewegung im Jahr 2020 hat die Debatte über Rassismus in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung eine zentrale Rolle eingenommen. Einzug in den gesellschaftlichen Mainstream erhalten dabei besonders Positionen, die von akademischen Strömungen wie »Critical Whiteness«, dem Postkolonialismus oder Poststrukturalismus beeinflusst sind. Statt einer theoretischen Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Entstehungsbedingungen des Rassismus begegnet man in diesen Ansätzen häufig Angriffen auf Universalismus und Vernunft oder der Einebnung der Spezifik von Antisemitismus und Holocaust. Dagegen befinden sich sozialpsychologisch, ideologiekritisch und materialistisch argumentierende Analysen und Kritiken von Rassismus immer stärker in der Defensive.

Der Band beleuchtet insbesondere die blinden Flecken und Verzerrungen des vorherrschenden Antirassismus und versucht gleichzeitig einige Leerstellen gegenwärtiger Rassismustheorie zu füllen.

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MONTAG, 12. DEZEMBER 2022 11-13 Uhr

Unipark, Raum E.003

Buchpräsentation und Diskussion mit Katrin Henkelmann & Andreas Stahl (Universität Oldenburg): "Subjekt und Befreiung. Beiträge zur kritischen Theorie"

Die Denktradition der kritischen Theorie vermag es kaum noch, sich in der Öffentlichkeit zu behaupten. Insbesondere an den Universitäten wird sie von einer irrationalistischen Gegenaufklärung verdrängt, die Vernunft, Wahrheit und Subjekt unter Generalverdacht stellt und dadurch die Perspektive gesellschaftlicher Befreiung verunmöglicht. Wer sich diesem Angriff auf das kritische Denken widersetzen will, muss aber dessen Fundamente selbst prüfen, damit Kritik nicht zum Vorurteil, zur beliebig auf- und absetzbaren Theoriebrille verkommt.

Die im Band versammelten Texte reflektieren vor allem subjekt- und revolutionstheoretische Probleme kritischer Gesellschaftstheorie.